1. Leseprobe: HISTORISCHE SERIENMÖRDER V – Sonderband – Serienmörderpaare von Gerd Frank

Aus dem Vorwort von Michael Kirchschlager:
Am 29. April 2016 gab die Polizei Bielefeld folgende Presseerklärung heraus: „Eine 41-jährige Frau aus Niedersachsen ist nach Misshandlungen, die sich in einer Wohung in Höxter ereignet haben, in einem Krankenhaus gestorben. Nach dem Ergebnis der durchgeführten Obduktion verstarb die Frau an den Folgen stumpfer Gewalt gegen den Kopf. Die 41-Jährige hatte sich auf eine Zeitungsannonce gemeldet, die ein 46-Jähriger eingestellt hatte und in der er eine Frau für eine feste Beziehung suchte. Nach einer kurzen Phase des Kennenlernens zog die 41-Jährige im März 2016 nach Höxter, wo der Beschuldigte zusammen mit seiner Ex-Frau (47 Jahre alt) lebt. Hier wurde die Frau festgehalten und körperlich misshandelt, wobei es bis jetzt keine Hinweise für ein Sexualdelikt gibt.
Am 21.04.2016 wollten die Beschuldigten das körperlich schwer angeschlagene Opfer zurück in seine niedersächsische Wohnung bringen. Durch einen Motordefekt blieb das Fahrzeug im Bereich Niedersachsen liegen. Die Beschuldigten waren nunmehr gezwungen, wegen des schlechten Gesundheitszustandes einen Rettungswagen zu rufen. Die 41-Jährige wurde in ein Krankenhaus gebracht und starb dort circa zwei Stunden später.
Der 46-Jährige und seine Ex-Frau wurden am 27.04.2016 vorläufig festgenommen. Am 28.04.2016 erging gegen beide durch das Amtsgericht Höxter Haftbefehl wegen Totschlags.“1 Weitere Presseinformationen folgten.
„Ein Ermittlerteam aus Bielefeld reiste am Dienstag, 03.05.2016, in den Großraum Berlin, um ein Opfer der Beschuldigten zu vernehmen. Die Frau hatte sich bei der Polizei gemeldet, nachdem sie eine Berichterstattung über den Sachverhalt im Fernsehen verfolgt hatte.
Im August 2011 hatte die 51-jährige Frau auf eine Kontaktanzeige des Wilfried W. in einer Zeitung geantwortet. Nach einigen Telefonaten wurde die Frau von den beiden Tatverdächtigen mit einem Auto abgeholt und zum Haus nach Bosseborn gebracht. Währen ihres dreiwöchigen Besuches kam es zu keinen Übergriffen. Nach ihrem Aufenthalt hielt sich die 51-Jährige wieder an ihrer Wohnanschrift im Großraum Berlin auf. Es gab weiterhin telefonischen Kontakt zu dem Wilfried W.
Ab Ende 2011 bis März 2012 hielt sich das spätere Opfer wieder in dem Haus in Bosseborn auf. In dieser Zeit wurde sie von beiden Beschuldigten körperlich misshandelt. Sie war nach eigenen Angaben in dem Haus eingesperrt und hatte keine Möglichkeit zu fliehen. Im März 2012 wurde die 51-Jährige nach einer erheblichen körperlichen Auseinandersetzung zu einem Bahnhof transportiert und in einen Zug nach Hause gesetzt. Aus Angst vor angedrohten Gewaltanwendungen durch die Beschuldigten schaltete das Opfer nicht die Polizei ein.
Am 29.04.2016 meldete sich die Frau bei der Polizei Bielefeld, nachdem sie in den Medien Bilder von dem Haus in Bosseborn gesehen hatte. Die 51-Jährige wird im Rahmen von Opferschutzmaßnahmen weiterhin von der Polizei betreut.
Nach der Pressekonferenz und Bekanntgabe der Service-Hotline 0521/545-1155 gingen bei der Mordkommission bislang 15 Hinweise ein. Nach derzeitigem Ermittlungsstand befinden sich darunter keine neuen Opfer.
Am Mittwochvormittag wurde das Wohnhaus in Bosseborn von Beamten der Einsatzhundertschaft zusammen mit den Ermittlern der Mordkommission im Rahmen der Spurensicherung ausgeräumt. Weitere Angaben werden aus ermittlungstaktischen Gründen zurzeit nicht gemacht.“

Kaum vier Wochen später, am 19. Mai 2016, informierten hessische Ermittler über einen grausamen Serienmörder in Schwalbach am Taunus. In der Garage des 2014 verstorbenen Manfred S. fanden LKA-Ermittler die verstümmelten Überreste einer Frau. Mittlerweile schreibt die Polizei Manfred S. eine Serie von Frauenmorden zu. Der inzwischen verstorbene Rentner könnte für den Tod von fünf Prostituierten verantwortlich sein. Es könnte auch eine Verbindung zum 1998 auf grausame Weise getöteten 13jährigen Tristan B. geben. Noch vor der Pressekonferenz teilte ein Sprecher des LKA mit, daß der 2014 gestorbene Rentner noch weiteren Mordfällen beteiligt gewesen sein könnte in Verbindung. Bereits zu Beginn der Pressekonferenz sprach LKA-Präsidentin Sabine Thurau von einer besonders grausamen Herangehensweise des Täters. Es würden nun hunderte von bisher ungeklärten Mordfällen untersucht, die mit Manfred S. in Verbindung stehen könnten – und zwar „Cold Cases“ aus ganz Deutschland. „Wir legen ungeklärte Mordfälle nie ganz ad acta“, sagte Sabine Thurau. Nach dem Fund der ersten Leiche gab es schon „keinen Zweifel an der Täterschaft“ von Manfred S. Die Polizei ging davon aus, daß es nicht die erste Tat des Serienmörders von Schwalbach gewesen war.
Die Ermittlungen zogen sich etwa ein Jahr hin. Schnell stellte sich heraus, daß noch mehr Morde auf das Konto des Täters gehen könnten. Daraufhin sei im September 2015 die „Arbeitsgruppe Alaska“ bei der Polizei gegründet worden. Schnell war klar, daß es eine Serie von getöteten beziehungsweise vermißten Prostituierten gab, die ins Tatschema paßt. So wurden 1991 und 1993 zwei Prostituierte im Raum Frankfurt ermordet. Es gab keine Spuren, die damals auf einen möglichen Täter hinwiesen. Beide Verbrechen weisen aber deutliche Parallelen zum 2014 entdeckten Prostituiertenmord auf: Alle Verbrechen wiesen deutliche Zeichen „sadistischer Handlungen“ auf. Auf Computern bzw. Festplatten des Tatverdächtigen wurden umfangreiche Dateien mit Gewaltpornografie sichergestellt. Insbesondere handelte es sich dabei um Darstellungen, die das Verletzungsbild der Opfer nahezu eins zu eins widerspiegelten. Sie dienten höchstwahrscheinlich als Vorlage für seine Taten. Fall Nummer 4 ist der Mord an einer „türkischen Gastarbeiterin“ im Jahr 1971.
Möglicherweise besteht zwischen dem Fall des 13jährigen Tristan B. und Manfred S. ein Zusammenhang. Eine „deutliche Übereinstimmung“ gebe es bei der „Auslebung sexuell-sadistischer Fantasien“. Allerdings giebt es einen starken Unterschied bei der Opferauswahl: Der Junge wäre das einzige männliche Opfer von Manfred S., sollte sich bestätigen, daß er den Mord begangen hat. Einen eindeutigen Beweis für seine Täterschaft habe die Polizei bisher nicht.
Die meisten Opfer stammen aus dem „Drogenmilieu“ um den Frankfurter Hauptbahnhof und arbeiteten dort als Straßenprostituierte. Damit fielen sie generell in die Kategorie „Hochrisikoopfer“. Für den Täter seien sie leichte Beute gewesen.
Manfred S. könnte auch mit dem Verschwinden von zwei Straßenprostituierten aus Frankfurt zu tun haben, diee 1998 und 1999 verschwanden. Zudem wurden in den Jahren 1996 und 2004 zwei Frauenschädel gefunden – sie könnten ebenfalls Opfern von Manfred S. gehört haben.
Der Serienmörder scheint in den Jahren zwischen 1971 bis 1981 keine Taten begangen zu haben. Den Ermittlern fehlt bisher eine Erklärung für diese „Pause“. Möglicherweise habe dies mit Ereignissen im Leben des Täters zu tun, – zum Beispiel Heirat oder Geburt von Kindern. Seien die Kinder dann aus dem Haus, hätten solche Täter womöglich wieder mehr Gelegenheiten, sich Opfer zu suchen. Ob S. ein Einzeltäter war bleibt fraglich. In einem Fall könnte das „Verletzungsbild“ auch auf zwei Täter hindeuten. Möglicherweise hätten hier zwei Täter „ihre Fantasien“ ausgelebt, so die Ermittler.

Die Polizei teilte schon vorab mit, daß sie nach möglichen Helfern oder Mitwissern suche. Es sollen sich alle melden, die Kontakt zu Manfred S. hatten. Es sei gut möglich, daß er in Sadomasoforen oder ähnlichem aufgefallen ist. Manfred S. ging seiner sadistischen Neigung offenbar nicht nur mit Gewaltpornos nach. Auf seinem Rechner fanden die Ermittler mehr als 32.000 gewaltverherrlichende und kannibalistische Fotos. Die Abbildungen „sexueller Gewaltfantasien“ entsprachen „fast 1:1“ den Verletzungen der Opfer.

Serienmörder Manfred S.

Manfred Seel als junger Mann

Manfred S. entnahm seinen Opfern zudem Organe. Bei den Opfern, die mit dem mutmaßlichen Serienmörder aus dem Taunus in Verbindung gebracht werden, sind nach Angaben der Ermittler immer unterschiedliche Körperteile entnommen worden. Bei allen Taten gebe es die Gemeinsamkeit, daß Organe und Körperteile vom Täter mitgenommen worden seien, aber nie die gleichen. Ermittler Frank Hermann sagte am Donnerstag in Wiesbaden: Mal sei es ein rechtes Bein, mal ein linker Arm – „wenn Sie das zusammenrechnen, könnten Sie sich tatsächlich dadurch einen neuen Körper herstellen“.
Gegen den Verstorbenen Serienmörder Manfred S. kann weder Anklage erhoben werden noch kann er jemals rechtskräftig als Mörder verurteilt werden. Insoweit bleibt es hier für immer bei dem bereits genannten Tatverdacht. Die Unschuldsvermutung gilt hier über den Tod hinaus. Soweit der bisherige Stand der Ermittlungen in diesen beiden deutschen Fällen.
Gerd Frank legt mit diesem Band in der Reihe HISTORISCHE SERIENMÖRDER einen Sonderband zum Thema Serienmörderpaare vor. Er präsentiert grauenvolle Beispiele menschlichen Tuns und des menschlichen Sadismus, ausgelebt von unterschiedlichsten Paaren, die ihre Neigungen bis zum Mord, ja Serienmord trieben. Dabei können die Fälle nicht unterschiedlicher sein, wenngleich sie sich auch ähneln. Handelten die Benders als Familie, treten uns mit den Ägypterinnen Raya Hasaballah und Sakina Abd el-Aal zwei Schwestern samt ihren Handlangern entgegen.
Die Raubmorde der Benders in den USA der 1870er Jahren erinnern stark an die Geschichte der schottischen Beans, die Reisende beraubten und verspeist haben sollen (was man den Benders nicht vorwerfen kann). Paare im klasssichen Sinne waren die ……..

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