Archiv der Kategorie: Frühe Neuzeit

Neuerscheinung: Totmacher 5 und „Ein grausamlich mord“ – Jubiläumsausgabe zum 20jährigen Bestehen des Verlags Kirchschlager

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Mit Totmacher 5 legt Gerd Frank einen weiteren Band in der Totmacher-Reihe vor – dieses Mal gilt sein Augenmerk US-amerikanischen Serienmördern. Genau wie in den Vorgängerbänden, hat er wieder die spannendsten, interessantesten, aber auch schrecklichsten Kriminalfälle ausgewählt und aufbereitet. Neben bekannten Serienmördern
wie Albert Fish, der kleine Mädchen schändete und zerstückelte, dem irren Charles Manson oder dem kannibalistisch veranlagten Jeffrey Dahmer stellt Gerd Frank auch mehr oder minder unbekannte Täter vor. So findet z. B. die berühmt-berüchtigte Filmtrilogie Hostel ein makabres historisches Vorbild im Hotel von Hermann Webster Mudgett. Der Fall des Todesengels von Alabama, Joseph Dewey Akin, kann als Gegenstück zu den Serienmorden des deutschen Krankenpflegers Niels H. angesehen werden, dessen Fall gerade juristisch geprüft wird. Gerd Frank verfolgt die Lebenswege der Täter bis zu deren Kindheit zurück, beleuchtet immer wieder familiäre und soziale Hintergründe und hinterfragt diese als Keime einer späteren verbrecherischen Entwicklung. In sachlichem Ton, aber mit aller Deutlichkeit zeigt er auf, daß nicht wenige Mörder im Kindesalter selbst Opfer unterschiedlichster Gewalt wurden. Doch eine schwere Kindheit legitimiert kriminelles Verhalten als mündiger Erwachsener noch lange nicht; sie stellt lediglich eine von vielen prägenden Faktoren dar.
Die Opfer gehören zumeist den untersten, schwächsten Schichten der Gesellschaft an, zählen zu den Ausgestoßenen, den Gefallenen, denen, die man verachtet, denen wenig Menschlichkeit gilt; es sind Prostituierte, Drogenabhängige, Landstreicher. Trifft es diese nicht, trifft es oftmals auch einfach nur wehrlose Kinder und Jugendliche. Besonders alarmierend sind die Zahlen ermordeter Frauen, die auf das Konto perverser Lustmörder gehen. Merkwürdig dürfte die US-amerikanische Justiz und deren Rechtsprechung auf die deutsche Leserschaft wirken, wenn wir erfahren, daß der Green River Killer Gary Ridgway für 48 Morde zu 48mal »lebenslänglicher Haft« verurteilt wird. Dennoch hält sich das Mitleid gegenüber den Tätern in Grenzen; man ertappt sich vielleicht sogar dabei, mit einem Anflug von Genugtuung zu lesen, daß Pogo der Killer-Clown am 10. Mai 1994 mittels Giftspritze und Ted Bundy am 24. Januar 1989 auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurden. Tatsächlich scheinen Verbrechen und Rechtsprechung im Land der unbegrenzten Möglichkeiten unbegrenzt …

Taschenbuch, 200 Seiten, zahlreiche s / w Abbildungen, Preis: 12,80 Euro.

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Seit nunmehr 20 Jahren bemüht sich der Verlag Kirchschlager um die Herausgabe kriminalhistorischer Bücher. Neben dem Schwerpunkt „Kriminalia“ stehen aber auch kulturhistorische Bände und Neudrucke höchst seltener, alter Ausgaben auf dem Programm.
Deshalb darf es nicht verwundern, wenn der Jubiläumsausgabe zum zehnjährigen Verlagsbestehen „Das Obscurum – Mord- und Schauergeschichten aus Chroniken des Alten Europa“ eine Ausgabe im Schuber mit Kommentarband der „Schwarzburger Practica des Adam Ries“ zum fünfzehnjährigen Verlagsjubiläum als Festschrift folgte. Dieses Mal haben wir uns wieder für ein kriminalhistorisches Thema entschieden, da die programmatische Ausrichtung unseres Hauses auf Bücher zu wahren Kriminalfällen weiter fortgeschritten ist. Aus diesem Grund führen wir seit 2013 die Handschelle im Verlagslogo ohne dabei auf unsere Fledermaus als zusätzliches Marken- und Schutzzeichen zu verzichten. Für diese Jubiläumsausgabe wurden rechtshistorisch interessante Flugblätter aus der sogenannten Wickiana, der Sammlung des Johann Jakob Wick, ausgewählt.
Die Flugblätter wurden herstellungsbedingt verkleinert. Die Textausgabe beruht auf der Basis einer kritischen Edition, wobei die Texte, in Einzelfällen Knittelverse, buchstaben- und zeichengetreu übertragen wurden. Kommentare, Worterklärungen und Erläuterungen sollen dem Verständnis der Bilder (hauptsächlich kolorierte Holzschnitte) und Texte dienlich sein. Zitate stehen kursiv. Diese kritische Ausgabe versteht sich allerdings nicht als „Wissenschaftsausgabe“.

Mit dieser kleinen Festgabe ist der Wunsch des Verlags verbunden, unserer geschätzten Leserschaft nicht nur die Flugblätter der Wickiana mit rechtshistorischem Hintergrund, sondern auch die vielfältige Arbeit der frühen Verleger, Drucker und „Brieffmaler“ näherzubringen. Wie alle unsere Veröffentlichungen, so erscheint auch diese Ausgabe in alter Rechtschreibung.

Ein grausamlich mord – Ausgewählte Flugblätter mit Kriminal- und Rechtsfällen aus der Wickiana. Jubiläumsausgabe zum 20jährigen Verlagsbestehen. Herausgegeben von Michael Horn und Michael Kirchschlager. Arnstadt 2015. Hardcover (Großformat), Fadenheftung, Leseband, Farbabbildungen, 80 Seiten, limitiert auf 999 Exemplare, Preis: 32 Euro.

Peter Stubbe – Der Werwolf von Bedburg (Köln, 1589)

Viel früher als die serbischen Vampire oder deren preußische Vertreter – Gierfraß oder Gierrach – verbreiteten die schon im nordischen Sagenkreis auftauchenden Werwölfe (Mannwölfe) unter unseren Vorfahren Angst und Schrecken. Erstmalig mörderisch tauchten sie, eine Jungfrau von fünfzehn Jahren und kleine Kinder verschlingend, um 1400 in Thüringen auf. Doch am schlimmsten sollten sie während des Hexenwahns (etwa von 1570-1650) wüten, selbst wenn die 250 überlieferten Werwolffälle bei weitem nicht an das Ausmaß der Hexenprozesse heranreichen.

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Georg Hörnlein und Jobst Knau (Deutschland, Nürnberg, 1588)

Aus dem Tagebuch des Meisters Franz, Scharfrichter zu Nürnberg: Am 2. Januar 1588 Georg Hörnlein von Bruth und Jobst Knau von Bamberg, ein Haffner (ein Topfmacher), beides Mörder und Räuber. Vor zwei Jahren griff der Hörnlein nebst seinen Gesellen einen Karrenmann auf der Remareuth an, gab ihm vier Stiche bis er starb und nahm ihm 32 Gulden. Auch hat er und Knau vor sechs Wochen mit einer Schandhure zugehalten. Sie gebar in des einen Haus ein Kind, einen Sohn, welches Knau taufte und dann lebendig die Händlein abschnitt. Weiterlesen

Greger Rühel – Ein Wirt und Menschenschlächter (Österreich, 1583)

Gegen Abend des 1. Juni 1583 begehrte ein Edelmann, der mit einem vierspännigen Wagen reiste und aus Prag kam, bei einem Wirt namens Greger Rühel eine Herberge. Das Wirtshaus selbst lag unterhalb der Enns, dreieinhalb Meilen von Wien (ca. 22,5 km) und eine halbe Meile von Kornenburg (ca. 3,5 km) entfernt, an der Straße von Wien nach Prag. Es gehörte zum Flecken Rohrbach, ins Amt Greitzenstein. Greger Rühel bewirtete hier seit vielen Jahren unterschiedliche Gäste und machte gute Geschäfte. Weiterlesen

Simeon Fleischer – Heiratsschwindler und Blaubart (Hessen, 1581)

Der Wollenweber Simeon Fleischer, um 1555 in Full (Fulda?) in Hessen geboren, erkor sich eines Tages eine Jungfrau, die er auch zur Ehe nahm. Er zog von Marburg aus in die Welt, erhielt aber vorher von seinem Vater noch 160 Gulden „Startkapital“, das er jedoch bald verschlemmen sollte. Zwanzig Wochen hett er freud/ darnach stifft er groß mord und leid/ an seinem eignen weibe. Er ermordete sie, da er kein Geld mehr zum „Verschlemmen“ hatte. Selbst die Kleider der Toten verkaufte er.
Fleischer zog fort, drei kleine Meilen (ca. 4,5 km) weit, und begab sich erneut in den Ehestand. Er nahm eine Witfraw von 40 Jahren, lebte mit ihr jedoch nicht vier Wochen und ermordete sie. 40 Gulden waren seine Ausbeute. Bald darauf ehelichte er die Tochter eines Bauern aus dem Land des Grafen von Hanolande, die er jedoch in einem Wirtshaus sitzenließ. Sein nächstes Opfer wurde die Tochter eines Schneiders, mit der er nach Frankfurt zog. Ein halbe Meile (ca. 3,5 km) vor der Stadt, brachte er auch sie jämmerlich um. Seine Beute waren zwölf Gulden.
In Frankfurt machte er sich an das Weib eines Seilers, führte sie zur Kirche und ermordete sie nach neun Wochen. Mit deren 39 Gulden wandte er sich nach Miltenburg bei Kaiserslautern und lebt frölich on alle sorgen. Nun wurde ihm eine Bäckersmagd zur Ehe gegeben, die zwölf Tage bei ihm blieb, auch dann wurde sie getötet. Bei Bischa (?) in einem kleinen Hölzlein erschlug er sie und wurff sie inn die Tauber nein. Aus diesem Mord erhielt er fünf Gulden und die Kleider.
Zu Offenburg führte er eins Schreiners diern nach Straßburg, auch ihr nahm er das Leben. Zwischen Straßburg und Hagenau nahm er vier, zu Wissembourg (Weißenburg im Elsaß) eine Witwe, von der er ebenfalls viel Geld erhielt. Bei Lengenkandel (Kandel) in einem Holz hat er sie ermördet und auch ir tochter stoltz.
Zu Seltz am Rhein blieb er fünf Tage. Dann führte er eine Magd von dannen, die bei einem Küfer (Böttcher) diente. Bei Landau in der Pfalz stürzte er sie in einen Brunnen und gewann achtzehn Gulden. Er mordete in Speyer, Grünstadt, Alzey und Bad Kreuznach. Er begab sich in die Gegend von Kaiserslautern und heiratete kirchlich die Tochter eines reichen Bauern. Von ihrem Vater erhielt er 100 Gulden. Doch der Mörder warf sie nach fünf Wochen ins heimliche Gemach (Abort), wo sie erbärmlich erstickte. Unerkannt und in aller Stille zog er davon, um sich bei Neustadt niederzulassen. Hier traf er auf die Magd eines Schneiders. Die nahm er für sieben Tage zur Ehe, für elf Gulden. Sie scheint er nicht ermordet zu haben.
Zu Baden und Rastatt ermordete er drei weitere Frauen. Schließlich kam man ihm irgendwie auf die Schliche und brachte ihn nach Neustadt. Am 18. Januar 1581 wurde der 19fache Frauenmörder Simeon Fleischer hingerichtet.

Achtung! Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt! Der vollständige Text findet sich in „Historische Serienmörder I“.

Peter Nirsch – Der 500fache Raubmörder (Deutschland, Neuenmark, 1581)

Peter Niers oder Nirsch mordete seit etwa 1575 Reiche und Arme in mehreren Ländern. Um 1580 kam er nach Franken, wo er ein hochschwangeres Weib, die aus Kitzingen stammte, bei Ochsenfurt ermordete. Er schnitt ihr den Bauch auf, fand ein Knäblein und schnitt es ebenfalls auf. Dann nahm er das Herz des Kindes und aß es. Weiterlesen

Christman Gniperdoliga – Der tausendfache Raubmörder (Deutschland, Kerpen, 1581)

Christman Gniperdoliga (Gniperdolinga oder Groperunge) aus Kerpen zählt zu den furchtbarsten Serienmördern des Alten Europa, wenn nicht gar der Welt! Seine im Lützelburger Land und Stift Trier verübten Räubereien und Morde zu Wasser und Land, an Arm und Reich währten dreizehn Jahre. Gniperdoligas Geschichte wird durch eine zeitgenössische Flugschrift überliefert:

Nachdem er schon in vielen Ländern gemordet hatte, erkundete er den sogenannten Fraßberg, einen Berg bei Bernkastel an der Mosel. Hier versteckte er sich achteinhalb Jahre. Genau wie Peter Nirsch, glaubte Gniperdoliga sich mit der Hilfe des Teufels und der Schwarzen Kunst unsichtbar machen zu können.
Auf dem Berg schlug er sein Quartier auf und bewaffnete sich. Von dort und von einer weiteren Höhe aus konnte er auf alle Straßen nach Trier, Diedenhofen (franz. Thionville), Metz, Saarbrücken, Simmern im Hunsrück, Bad Kreuznach und Bacharach am Rhein sehen. Wer nicht zu dritt, viert oder zu fünft zog, war vor ihm nicht sicher. Von hier aus ermordete er Frauen und Männer und legte ein Register an, in welchem er ausführlich notierte, wie viel Menschen er umgebracht hat.
Einmal überfiel er eine Jungfrau, die aus Boppart stammte und nach Trier reisen wollte. Dieser gedachte er ebenfalls das Leben zu nehmen, doch sie sollte zu seinem Schicksal werden.
Sie mußte sich ihm willig hingeben und ihm einen Eid schwören, ihn nicht an Menschen zu verraten. Die junge Frau blieb über sieben Jahre bei dem Raubmörder in der Höhle und führte ein Leben in ständiger Not und Gefahr. Sechs Kinder zeugte sie mit dem Bösewicht, und jedes Mal, wenn sie eins auf die Welt brachte, tötete er das Neugeborene und fraß sein Herz.

Schließlich verriet sie ihn doch! Ihr folgten 30 schwerbewaffnete Männer, Christman Gniperdoliga zu überrumpeln und gefangenzunehmen. Nachdem den Solgaten der Überraschungseffet zu Hilfe kam, brachte man den Raubmörder am 21. Mai 1581 nach Bernkastel. Das Gut und Geld, das man bei ihm in der Höhle fand, wurde auf 70.000 Gulden geschätzt. Daneben fand man auch sein Mordregister, in dem 964 Personen verzeichnet waren, die er alle ermordet hatte. Christman Gniperdoliga  wurde am 17. Juni 1581 mit dem Rad gestoßen, wo er auf demselben nach ausgestandener Strafe bis auf den 9. Tag lebte.

Rädern

Das Stoßen mit dem Rad (links) – die Räderung – sowie das Kneifen mit glühenden Zangen gehörten seit dem Mittelalter und besonders mit der Karolina (der Peinlichen Halsgerichtsordung Kaiser Karls V.)  zum steten Gebrauch der Rechtsprechung in der Frühen Neuzeit. Holzschnitte, Mitte 15 . Jahrhundert, Samlung Kirchschlager, Arnstadt Weiterlesen