Kategorie-Archiv: Russische Serienmörder

Gerd Frank: DIE BOA VON ODINZOWO Der Fall Sergej Golowkin (1986-1992)

In der zweiten Hälfte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts verbreitete in Rußland eine „Boa“ Angst und Schrecken. Ihr erstes Opfer, ein Junge, wurde im April 1986 entdeckt – erwürgt und zerstückelt. Bereits ein paar Tage später erfolgte ein weiterer brutaler Mord an einem Halbwüchsigen. Die Handschrift des Täters war die gleiche.
Dann geschah drei Jahre lang nichts, bis erneut drei Morde an Jungen verübt wurden. In einem Fall zog der offensichtlich wahnsinnige Mörder seinem Opfer sogar die Haut ab!
Justiz und Miliz standen vor einem Rätsel. Die getöteten Jungen hatten sich in Pionierlagern in der Nähe von Flüssen aufgehalten, wo sie sich auf den angrenzenden Wiesen dem Fußballspiel hingaben. Zeugen wollten einen Mann in grüner Jacke gesehen haben, der offenbar die Jungen länger mit einem Fernglas beobachtet hatte.
Weil man mehrmals zerstückelte Leichen im Wald gefunden hatte, vermutete man hinter dem Täter zunächst einen Arzt oder zumindest einen Menschen, der über anatomische, vielleicht auch veterinärärztliche Kenntnisse verfügte. Psychologen gingen bei Analysen schließlich davon aus, daß es sich bei dem Mörder um einen augenscheinlich allein lebenden Sadisten handeln müsse, der vermutlich keinerlei Interesse an Frauen zeigte. (…) „Vor allem sollte mein Genuß (damit meinte er den Todeskampf seiner Opfer) länger dauern als ein paar kümmerliche Augenblicke, wenn möglich sogar Stunden“, sagte er später.
Inzwischen war er stolzer Besitzer eines PKW “Lada”, den er in der Garage des Gestüts, in dem er arbeitete, abstellte. Unter diesem Stellplatz schachtete er in mühevoller Arbeit einen kleinen Raum aus, den er ausbetonierte. Er legte eine elektrische Leitung, um Licht zu haben, und bereitete eine Art Schreckenskammer mit verzinkten Wannen, Folterinstrumenten jeder Art und eisernen Ringen in Wandhalterungen für seine sadistischen Quälereien und Schindereien vor. (…)
Der junge Mann brauchte sich nur noch für jemanden zu entscheiden, der ihm auf Anhieb sympathisch war. Sympathie war wichtig für ihn, denn je besser ihm ein Opfer gefiel, umso mehr wünschte er, es manipulieren zu können und dann auf es einzustechen und es zu zerstückeln. Und diesen Genuß würde er sich nun während ganzer Nächte gönnen können. Für gewöhnlich erhängte er seine Gefangenen in Schlingen, befestigte dann die Körper wie ein Stück Fleisch an Haken, metzgerte daran herum und köpfte sie dann. In anderen Fällen kastrierte er die Unglücklichen und schnitt ihnen außerdem Ohren und Nasen ab, öffnete die Schädel und verbrannte Gehirne. (…)
Golowkins Fantasie, die von einem extremen Sadismus geprägt war, trieb immer entsetzlichere Blüten. Schließlich gelüstete es ihn sogar nach dem Verzehr von Menschenfleisch.
(…)
In Zusammenarbeit mit dem Generalstaatsanwalt der Russischen Föderation und einem Major des russischen Innenministeriums bezeichnete der psychologische Gutachter Bakin den grauenhaften Mörder übrigens erstmals als „Boa constrictor“. Man Stieß im Oktober 1992 endlich auf Sergej Golowkin. Die „Boa von Odinzowo“ wurde zum Tod durch Erschießung verurteilt. Das Urteil wurde 1994 vollstreckt.

Stark gekürzter Text. Der Beitrag findet sich vollständig in TOTMACHER 3 (Erscheinungstermin März 2015 im Verlag Kirchschlager).

Gerd Frank: DAS MONSTER VON IRKUTSK – Der Fall Wassili Kulik (1984-1986)

Wassili Kulik wurde am 17. Januar 1956 im sibirischen Irkutsk geboren. Sein Vater war promovierter Biologe und Schriftsteller, die Mutter Schulleiterin. Ein paar Jahre nach dem Abschluß seines Studiums arbeitete er am Notfallkrankenhaus Irkutsk als Mediziner. Kulik heiratete und wurde Vater dreier Söhne. Weiterlesen

Gerd Frank: DER VERTRETER DER “MOSGAZ” – Der Fall Wladimir Ionesyan (1963-1964)

Wladimir Ionesyan wurde am 27. August 1937 in Tbilisi (Georgien) geboren. Mit 17 Jahren machte er seinen Schulabschluß, wurde kriminell und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Er büßte seine Strafe ab und ging dann nach Rußland, wo er sich bessere Lebensbedingungen erhoffte. Dort hielt er sich zunächst in Orenburg auf, wo er eine Familie gründete. Als er die Tänzerin und Schauspielerin Alewtina Dmitrijewa kennenlernte, verließ er Frau und Kind, zog mit seiner Geliebten nach Moskau und mietete in der Meschtschanskaya-Straße – in der Nähe des Rigaer Bahnhofs – eine Wohnung. Weiterlesen

Gerd Frank: DER WOLF VON MOSKAU – Der Fall Wassili Komarow (1921-1923)

Wassili Komarow wurde in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts geboren. Beide Eltern waren der Trunksucht verfallen und mißbrauchten ihn und seine fünf Brüder.
Bereits in jungen Jahren trat Komarow in die russische Armee ein, bei der er vier Jahre diente. Etwa mit 40 Jahren wurde er erstmals straffällig. Auch Anzeigen wegen Mißhandlung seiner zweiten Ehefrau und der beiden Kinder häuften sich.
Schließlich wurde Komarow Pferdehändler. Leute auf dem Markt, wo er für gewöhnlich seine Pferde verkaufte, gaben an, beobachtet zu haben, daß er des öfteren – insbesondere mittwochs oder freitags – auch ohne Pferde erschien, jedoch mit irgendwelchen Kunden nach Hause gegangen sei. Diese Personen habe man fortan nie wieder zu Gesicht bekommen.
Im Jahr 1921 unternahm die Miliz1 bei ihm eine umfangreiche Hausdurchsuchung, weil vermutet wurde, daß Komarow illegal mit Alkohol handle. Dabei entdeckte man ein Mordopfer unter einem größeren Heuhaufen.
Während langwieriger Verhöre gab Komarow zu, insgesamt 33 Männer und Frauen ermordet zu haben. Das Motiv für die Morde des „Wolfes von Moskau“ dürfte Habgier gewesen sein.
Komarows Vorgehen war stets das gleiche gewesen. Er lockte potentielle Opfer, also die, die nach Geld aussahen, zu sich nach Hause, bot ihnen Alkohol an und lotste sie dann in den Stall, wo er sie mit wuchtigen Hammerschlägen erschlug oder mit einem Seil erwürgte. Dann steckte er die Leichen in Leinwandsäcke und versteckte sie einfach unter Abfällen.
Die Miliz hielt es für ausgeschlossen, daß Komarows Frau Sofia von all dem Treiben in dem Stall gleich neben dem Haus nichts mitbekommen haben sollte, und hielt sie deshalb für mitschuldig, zumal Komarow selbst später zugab, daß sie ihm gelegentlich zur Hand gegenagen war.
Schließlich wurde über die beiden Komarows die Todesstrafe verhängt. Die Todesurteile wurden am 18. Juni 1923 von einem Erschießungskommando vollstreckt.

Gekürzter Text. Der Beitrag findet sich vollständig in TOTMACHER 3 (Erscheinungstermin Februar 2015 im Verlag Kirchschlager).