Darja Nikolajewna Saltykowa – Die russische Báthory (Rußland, 1801)

Das russische Gegenstück zu Elisabeth Báthory stellt zweifelsohne Darja Nikolajewna Saltykowa (1730-1801) dar. Darja Nikolajewna Saltykowa, genannt Saltytschicha, war eine russische Gutsbesitzerin im Moskauer Gouvernement, die über 100 Leibeigene, in der großen Mehrzahl junge Mädchen, zu Tode quälte. Über ihre Kindheit ist nicht viel bekannt, außer daß sie die dritte Tochter eines Adligen gewesen sein soll. Sie heiratete Gleb Saltykow, einen Offizier der Leibgarde, gebar ihm zwei Söhne und wurde mit 26 Jahren Witwe.

Saltykowa

Saltykowa auf einer Zeichnung aus den 1930er Jahren, Sammlung Kirchschlager

Nach dem Tod ihres Ehemannes avancierte sie zur alleinigen Besitzerin von Tausenden leibeigenen Muschiks (Bauern) und ausgedehnten Landgütern, die sich im Südwesten des riesigen russischen Reiches befanden. Langandauernde intime Beziehungen verbanden die Witwe fortan mit dem Landvermesser Nikolai Andrejewitsch Tjuttschew, doch soll die Liaison unglücklich geendet sein. Ob danach die Greueltaten einsetzten, ähnlich wie bei ihrem ungarischen Pendant, bleibt offen. Ihren ständigen Wohnsitz nahm sie auf Sretenka.
Zur Erholung hielt sie sich gern auf ihrem Landgut Troizkoje nahe der Stadt Podolsk südlich von Moskau auf, wo sich auch die meisten Folterungen und Morde ereigneten.
Zunächst verbreiteten sich in den umliegenden Dörfern Gerüchte von der grausamen Gutsherrin, die eigenhändig auf ihre Leibeigenen bis zu deren Tod einschlug. Die Leute flüsterten sich Details zu. Die Frauen bekreuzigten sich, die Männer zeigten sich erstaunt, denn von derartigen Grausamkeiten hatten sie zuvor noch nie gehört. An dieser Stelle muß jedoch erwähnt werden, daß das russische Volk über Jahrhunderte unter der Leibeigenschaft litt und Prügelstrafen mit der Knute an der Tagesordnung waren, weshalb auch die zahlreichen Bauernaufstände, Revolutionen und der Haß der Muschiks auf die Obrigkeit und Beamten nicht verwundern.
Am 17. Mai 1764 wurde die Strafsache gegen Darja Nikolajewna eingeleitet. Man entsandte zwei Beamte an die Plätze der Verbrechen. Dort waren sie fast ein Jahr tätig und verhörten hunderte von Zeugen. Viele der ansässigen Bauern, eingeschüchtert durch das Ungeheuer, zogen es vor, über die Ereignisse, bei denen sie zu Augenzeugen geworden waren, zu schweigen. Ein Leibeigener, der einige Komplizen der Gutsherrin den Behörden verriet, wurde der Verleumdung angeklagt und unbarmherzig mit der Knute geschlagen. Erste Untersuchungen begannen, die Angelegenheit nahm ihren gesetzlichen Verlauf. Doch die Gutsherrin bestach die ermittelnden Beamten und verschleppte so ihre Strafe.
Die Saltytschicha konzentrierte ihren Haß vornehmlich auf Frauen bzw. junge Mädchen. Gewöhnlich bekam sie den Rappel, wenn das Mädchen den Fußboden reinigte. Diese einfache Handlung brachte sie in einen Zustand extremer Aufregung und Wut. Sie stürzte sich auf ihr Opfer, schlug mit einem Holzscheit oder mit einem glühend heißem Bügeleisen auf das Opfer ein. Anderen steckte sie den Kopf ins Eis, ließ sie Tag und Nacht hungern oder verbrannte ihnen mit kochendem Wasser das Gesicht usw.
In ihrem blutigen Verzeichnis fanden sich auch die Namen von zwei Männern. Im staatlichen Ermittlungsverfahren, das sechs Jahre dauerte und das etliche Beamten der Korruption und Unterschlagung von Beweisen überführte, klagte man die Saltytschicha für 38 Verbrechen an. In das Verzeichnis der Mordopfer gingen 75 Namen ein. Auf Befehl Katharinas der Großen, die ein politisches Zeichen setzen wollte, wurden ihr am 12. Juni 1768 der Adelsstand, die mütterlichen Rechte und das gesamte Vermögen aberkannt. Auf die Todesstrafe wurde allerdings verzichtet – auch in Rußland wollte man es sich mit der herrschenden Klasse nicht verscherzen.
Am Morgen des 17. November 1768 führte man Darja Nikolajewna Saltykowa bei heftigem Schneefall auf den Roten Platz in Moskau. Dort, wo alle Bestrafungen stattfanden, mußte sie mit der angehängten Aufschrift „Peinigerin und Mörderin“, in Ketten gefesselt, öffentlich am Pranger stehen. Dann wurde sie lebenslänglich in einer Zelle unterhalb der Kirche des Iwanowski Klosters eingesperrt. Man hatte dieses Kloster zu Ehren der Geburt des Zaren Iwan, dem man später den Beinamen „der Schreckliche“ verlieh, erbaut. Nur zweimal am Tag öffneten sich ihre Gittertüren: als man ihr Essen brachte. Einmal in 24 Stunden wurde sie hinausgeführt, um das Glockenspiel zu hören und die Kirche zu sehen. Der Zutritt zum Altar wurde ihr verweigert. Sie soll dort 33 Jahre gesessen haben und starb 1801 als gebrechliche Frau.

 

 

 

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