Gerd Frank: DIE FRAU, DIE WIE EIN ENGEL AUSSAH – Der Fall Le Thanh Van (Vietnam, 1998-2001)

„Die Frau, die wie ein Engel aussah“, war eine Vietnamesin, die in den Jahren 1998 bis 2001 insgesamt 13 Menschen tötete, um sich in den Besitz deren Vermögens zu setzen. Le Thanh Van war zweimal verheiratet, bekam zwei Kinder und wurde zweimal geschieden. Dann liierte sie sich mit Dinh Quang Danh, einem nahezu 20 Jahre jüngeren Mann. Diese Beziehung hatte eine starke Wirkung (im negativen Sinne) auf ihr Leben, das fortan nur noch von Habgier bestimmt werden sollte. (…)

Und hierfür war ihr buchstäblich jedes Mittel recht, schließlich sogar der Mord. Le Thanhs erste Delikte bewegten sich zwischen Betrug, Diebstahl und Raub. Stets ging es ihr vor allem um persönliche Bereicherung.

Schließlich kam sie auf die Idee, bevorzugt Kontakte zu reichen Mitmenschen herzustellen, diese dann zu töten und sich deren Vermögen zu sichern. Dabei fälschte sie häufig Testamente oder andere Dokumente von Wert. Auf diese Weise soll sie im Laufe der Zeit mehr als 240 Millionen alte vietnamesische Dong erschlichen haben, dies entsprach damals einem Wert von etwa 20.000 amerikanischen Dollar.

„Die Frau, die wie ein Engel aussah“, hatte in der Tat ein ausnehmend hübsches, feines Gesicht, eine sehr angenehme, sanfte Stimme und zeichnete sich durch Höflichkeit, Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft aus. Ihre medizinischen Kenntnisse waren außergewöhnlich und der Schlüssel zu der von ihr gewählten Tötungsmethode: Sie mordete nämlich ausnahmslos mit Gift.
Wenn sie sich das Vertrauen ihrer potentiellen Opfer erschlichen hatte, vergiftete sie deren Getränke oder Lebensmittel mit Cyanid, was praktisch einer Blausäurevergiftung gleichkommt. (…)

Die Mordserie begann im Jahr 1998 und endete mit Le Thanh Vans Festnahme 2001. Dabei schreckte sie auch vor nahen Angehörigen nicht zurück (…)

Den anderen Opfern stahl sie vor allem Geld und Wertsachen (Radio-Kassetten-Player, Handys, Bargeld u. a.) oder sie fälschte, wie bereits erwähnt, Testamente. Weil Zweifel bei ihren „Erbschaften“ aufkamen, wurde sie zweimal verhaftet, mußte jedoch jedesmal aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen werden.

Als sich die Todesfälle häuften und die dreizehn Opfer im Grunde alle die gleichen Symptome aufgewiesen hatten (sie hatten über Schwindel, Erbrechen und heftige Kopfschmerzen vor dem Sterben geklagt), wurde der Mordverdacht immer intensiver, obwohl einige Krankenhäuser bei den Todesursachen eine „Lungenentzündung“ oder „koronare Thrombose“ erkannt hatten. Schließlich wurde Le Thanh Van im Juli 2000 verhaftet. (…)

Am 24. August 2004 begann der aufsehenerregende Prozeß vor dem Volksgericht Ho-Chi-Minh-Stadt; er endete mit einem Schuldspruch in allen Punkten. Das Oberste Volksgericht von Ho-Chi-Minh-Stadt bestätigte diese Erstentscheidung und verurteilte Le Thanh Van (sie war die erste Serienmörderin Vietnams überhaupt) im April 2005 zum Tode. Das Urteil wurde durch ein Erschießungskommando vollstreckt. Auch ihr Komplize, dem man zumindest die Beteiligung an einem Mord nachweisen konnte und der zunächst nur eine Gefängnisstrafe von 20 Jahren hätte erhalten sollen, wurde hingerichtet.

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