Gerd Frank: Wassili Komarow – Der Wolf von Moskau (Rußland, 1921-1923)

Wassili Komarow wurde in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts geboren; in manchen Quellen heißt es 1871, in anderen 1877 oder 1878. Er hatte fünf Brüder; beide Eltern waren der Trunksucht verfallen und mißbrauchten ihre Kinder.

Bereits in jungen Jahren trat Komarow in die russische Armee ein, bei der er vier Jahre diente. Etwa mit 40 Jahren wurde er erstmals straffällig, auch Anzeigen wegen Mißhandlung seiner zweiten Ehefrau und der beiden Kinder häuften sich. Schließlich wurde Komarow Pferdehändler… Im Jahr 1921 unternahm die Polizei bei ihm eine umfangreiche Hausdurchsuchung, weil vermutet wurde, dass Komarow illegal mit Alkohol handele, dabei entdeckte man ein Mordopfer (es sollte sein letztes gewesen sein) unter einem größeren Heuhaufen.

Während umfangreicher Verhöre, gab Komarow zu, soweit er sich erinnern könne – es war Stalins Frühzeit – insgesamt 33 Männer und Frauen ermordet zu haben. „Sie wollten alle bei mir Pferde kaufen…“ Das Motiv für die Morde des ‚Wolfs von Moskau’, wie man ihn fortan nennen sollte, dürfte Habgier gewesen sein; gleichwohl fand sich bei ihm lediglich eine Summe von etwa 930 Rubeln, was nach heutigem Stand etwa 19 Euro entsprach.
Nachdem er seine Verbrechen gestanden hatte, führte Komarow die Polizisten an Orte, an denen er die Leichen beseitigt hatte. Doch nur noch wenige konnten in seiner unmittelbaren Umgebung gefunden werden, weil er viele einfach nur in den Fluß geworfen hatte. Im Schabolowskaya-Bezirk fand man dagegen – vor allem auf verlassenen, unbebauten Grundstücken – nicht weniger als 21 Opfer, die entweder erwürgt oder erschlagen worden waren.

Komarows Vorgehen war stets das gleiche gewesen. Er lockte potentielle Opfer (wenn sie nach Geld aussahen) zu sich nach Hause, bot ihnen Alkohol an und lotste sie dann in den Stall, wo er sie mit wuchtigen Hammerschlägen erschlug oder mit einem Seil erwürgte. Dann steckte er die Leichen in Leinwandsäcke und versteckte sie einfach unter Abfällen. Während seiner Befragungen sagte Komarow immer wieder: „Es ist mir immer ganz leicht gefallen, diese Leute umzubringen. Das hätte ich nicht für möglich gehalten..“ Im Gefängnis unternahm er dreimal einen Selbstmordversuch.

Die Polizei hielt auch Komarows Frau Sofia für mitschuldig, zumal Komarow selbst später zugab, daß sie ihm gelegentlich geholfen hatte. Nach seiner Aussage hatte sie ihn eines Tages bei einem Mord überrascht, anschließend aber nicht angezeigt, sondern sich entschlossen, ihm fortan bei seinem blutigen Handwerk behilflich zu sein. Die Komarows wurden am 18. Juni 1923 erschossen. Die Kinder kamen in ein Waisenhaus. Der Text stammt von Gerd Frank und wird vollständig in einem der nächsten Totmacherbände veröffentlicht.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.