Gilles de Rais – Marschall und Kindesmörder (Frankreich, 1440)

Gilles de Rais wurde Ende 1404 im Herzogtum Anjou an der Grenze zur Bretagne geboren. Er wuchs inmitten der finstersten Periode des französischen Spätmittelalters auf, die von Krieg, Plünderung, Pest und dem „Großen Schisma“, der Kirchenspaltung, geprägt war.
1422 heiratete er, des Besitzes und der Macht wegen. An den Gewalttätigkeiten seines Großvaters, der die Erziehung des Knaben und des jungen Mannes an sich gerissen hatte, nahm er regen Anteil. Bedingt durch sein beträchtliches Vermögen avancierte er zum Heerführer, wurde Gefährte der Jeanne d`Arc und französischer Marschall. Seine Karriere hätte nicht steiler nach oben führen können, wären da nicht abartige, mörderische Neigungen. Gilles sieht sein Schicksal, welches er selbst den Sternen zuweist, und seinen dramatischen Werdegang selbst in seiner Erziehung.

Gilles
Wahrscheinlich setzten die blutigen Ereignisse und Schrecknisse des Krieges in Gilles de Rais jenen Sadismus frei, der ihn zum Äußersten, zum Kindermord trieb. Zahlreiche Serienmörder wurden (und werden) im Krieg abgestumpft und gefühllos gegenüber anderen. Seine ersten Morde jedenfalls fallen mit Massakern und Kämpfen gegen die Engländer zusammen (1426).
Typisch für einen Sadisten ist die Aussage seines Domestiken Poitou: Besagter Gilles de Rais rühmte sich manchmal, daß er mehr Lust darin finde, Knaben und Mädchen zu töten oder ihnen den Hals abzuschneiden oder sie töten zu lassen und sie schmachten und sterben zu sehen, ihre Köpfe und Gliedmaßen zu zerstückeln und das Blut fließen zu sehen, als wenn er Unzucht mit ihnen triebe.
Gilles de Rais bekannte am 22. Oktober 1440 vor Gericht selbst, daß er eine große Zahl von Kindern tötete oder töten ließ, mit denen er das sündhafte Laster der Sodomie trieb. Desweiteren bekannte er, daß er den Samen auf die sündhafteste Weise vor oder nach dem Tod der Kinder oder während sie starben auf ihren Bauch spritzte (…). Manchmal taten er selbst oder aber seine Komplizen, Sillé, Bricqueville, Henriet, Poitou, Rossignol oder Petit-Robin den Kindern unterschiedliche Quälereien an.
Bald trennten sie mit Dolchen oder Messern den Kopf vom Rumpf, bald schlugen sie sie mit Stöcken oder anderen stumpfen Gegenständen mit aller Gewalt auf den Kopf, bald hängten sie sie in seinem Zimmer mit Stricken an einer Stange oder einem Haken auf und erdrosselten sie, und wenn sie im Sterben lagen, beging er an ihnen in der oben genannten Art die Sünde der Sodomie. Und wenn die Kinder tot waren, küßte er sie, und die schönsten Köpfe und Gliedmaßen zeigte er herum, und auf grausamste Art ließ er ihre Leiber öffnen und erfreute sich an dem Anblick der inneren Organe; und sehr oft setzte er sich auf den Bauch der Kinder, wenn sie im Sterben lagen, und hatte seine Lust daran, sie sterben zu sehen, und lachte darüber.
Dieses Lachen erscholl in Schloß Champtocé, im Haus La Suze in Nantes, den Schlössern Machecoul und Tiffauges, dem Haus der Minoriten in Bourgneuf-en-Rais und im oberen Zimmer des Hauses eines gewissen Lemoine in Vannes.
Nach den Morden, so die Anklageakte vom 13. Oktober 1440, erfahren wir, daß er die Leichen dieser Kinder verbrannte, einäscherte und an abgelegene und geheime Orte brachte oder bringen ließ.
Étienne Corrillaut – Poitou war ein Kosename – gestand, daß Gilles de Rais während eines Besuches auf Schloß Champtocé zu ihm und anderen sagte, daß seit langem tote Kinder in einem Turm lägen und daß sie daraus entfernt werden müßten.

Gilles Burg
Das Verbrennen der Leichen ging auf großen Feuerböcken im Zimmer des Gilles, indem man mit groben Holzscheiten und Reisigbündeln, die auf die Leichen gelegt wurden, ein großes Feuer entfachte; die Kleider wurden Stück für Stück ins Feuer gelegt und etwas angehoben, so daß sie gleichmäßiger brannten und sich kein Gestank entwickelte. Auf die Frage, wohin man die Asche warf, sagte er: manchmal in die Kloake, manchmal in den Schloßgraben oder andere Gräben oder sonstige Verstecke, je nach der Beschaffenheit des jeweiligen Ortes.

Wie bei vielen Serienmördern so schwanken auch für Gilles de Rais die Zahlen der Opfer. Gilles soll 140 oder mehr Kinder, Mädchen und Jungen, getötet haben oder getötet haben lassen.
Doch das Treiben des Kindesmörders, Teufelsanbeters und Gewaltmenschen Gilles de Rais sollte bald beendet sein. Am Pfingstsonntag 1440 setzte er einen Geistlichen gefangen und verletzte damit die Immunität der Kirche. Sein Schicksal war besiegelt, nachdem sich der Klerus und hohe Adel gegen ihn stellte, ihn, den französischen Marschall und seine Verbrechen nicht mehr deckte. Am 15. September wurde Gilles de Rais verhaftet. Vor dem weltlichen Gericht in Nantes mußte er sich für zwei Hauptanklagepunkte verantworten: die Kindermorde und die Gefangennahme des Geistlichen am Pfingstsonntag. Bereits am 19. September erschien der Angeklagte vor Jean Malestroit, Bischof von Nantes. Der Prozeß, in einen weltlichen und kirchlichen geteilt, zog sich bis zum 25. Oktober 1440 hin, wo der kirchliche Prozeß endete. Neben 50.000 Goldtaler Bußgeld Strafe sollte er gehängt und verbrannt werden. Auf seinen Wunsch wurde ihm eine Prozession gewährt. Der Tag der Hinrichtung war der 26. Oktober. Im Anschluß an die Prozession, der eine ungeheure Menschenmenge folgte, wurde Gilles de Rais gehängt, dann den Flammen übergeben, aber alsbald wieder aus den Flammen herausgezogen. Daraufhin wurde er von vier oder fünf Damen von vornehmer Geburt bestattet. Seine Diener wurden nach ihm hingerichtet.

 

5 Gedanken zu „Gilles de Rais – Marschall und Kindesmörder (Frankreich, 1440)

  1. schnetze

    vielen Dank für erstmals von diesem Täter etwas gehört haben zu dürfen.

    Bisweilen in keiner mir bekannten Doku davon etwas zu erfahren war.

    MfG

    P.S.: evtl sinnvoll wären Hinweise bezüglich damals verwendeter Begriffe, die eine andere Bedeutung besaßen als der heutige Sprachgebrauch es pflegt. Wie z.B. “Sodomie”

    Antworten
  2. B. Witthaut

    Zu diesem Thema habe ich ein Buch veröffentlicht, einen historischen Roman, der das letzte Vierteljahr des Barons beschreibt. Thematisiert wurde die Frage, ob die Feder wirklich stärker ist als das Schwert. Nun, in meinem Buch ist es so. Vielleicht interessiert sich ja der eine oder andere für “Des Teufels Schreiber”.

    Antworten
  3. Eckert..Jörg Michael

    Den Bericht gibt es im Buch Schwarze Messen..von Ulrich K.Dreikandt Schweizer Bibliothek..von Seite 39-68..unglaubliche Verbrechen der Lust.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>