James Wood – Der Bassinmörder von Buenos Aires (Argentinien, 1930)

Zu den unbekannten Serienmördern der Moderne, selbst wenn wir ihn hier bei den historischen Serienmördern vorstellen, zählt James Wood – nicht zu verwechseln mit dem großartigen Schauspieler James Woods!
In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires erregten im Jahre 1930 drei Selbstmorde größtes Aufsehen. Es handelte sich in allen drei Fällen um die Gattinnen angesehener Bürger, die im Laufe von sechs Monaten verschwunden waren. Kurz nach dem Verschwinden zog man ihre Leichen aus den Fluten des Platastromes.
Die Frauen waren aus dem Leben geschieden, ohne daß man einen plausiblen Grund für ihre Erdenflucht finden konnte. Daher wurde recherchiert, ob sie nicht einem Verbrechen zum Opfer gefallen seien. Dafür ergaben sich aber keine Anhaltspunkte, und so blieb man bei der Annahme des Selbstmordes.
Damit wären die drei Fälle auch abgetan gewesen, wenn sich nicht durch Zufall doch eine sensationelle Aufklärung gefunden hätte.
Draußen an der Peripherie der westlichen Vorstädte der argentinischen Hauptstadt lag eine prunkvoll eingerichtete Hazienda, die ein schwer reicher New Yorker namens James Wood vor Jahresfrist gekauft hatte. Er war mit einem Heer von Arbeitern gekommen, die die Besitzung von Grund auf renovierten. Prachtvolle Fontänen wurden angelegt und hinter dem Haus auch ein Bad gebaut, das ganz in antikem Stil gehalten war. Es erregte in besonderem Maße die Bewunderung der Besucher des Amerikaners, die überhaupt für den Luxus, der sie hier umgab, nicht genug Worte des Entzückens fanden.
Wood hatte leicht Eingang in die beste Gesellschaft gefunden und man war auch gern zu Gast bei seinen glänzenden Festen. Der New Yorker, ein Fünfziger, zeigte sich als ein ganz sympathischer Mann, wenn auch manchmal der seltsam stechende Blick seiner Augen in dem von einem tiefschwarzen Vollbart umrahmten Gesicht etwas unheimlich wirkte. Man hatte sich bald an ihn gewöhnt und schließlich war Wood keine Sensation mehr, bis ihn ein Aufsehen erregender Vorfall plötzlich wieder in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses rückte.
Zwei Polizisten kamen eines Tages am frühen Morgen an der Mauer von Woods Besitzung vorbei. Aus dem Park scholl das Tosen von Wasser – und die beiden Leute glaubten sich nicht zu täuschen – zwischendurch ließen sich auch Hilferufe vernehmen. Für die beiden Männer gab es kein zögern. Rasch überkletterten sie die Mauer und gingen dem Schall nach. Das Tosen und die Rufe, die jetzt deutlich hörbar wurden, kamen von dem Prunkbad, wo sich den Polizisten alsbald auch ein grauenerregender Anblick bot.
Eine junge Frau lag gefesselt in dem Bassin, in dem das Wasser immer höher und höher stieg. Sie riß mit aller Kraft an den Ketten, die sie auf einem etwas emporgehobenen rechteckigen Marmorblock fesselten. Am Rande des Bassins stand Wood und verfolgte mit teuflischem Grinsen den Todeskampf seines Opfers.
Die Situation erforderte rasches Handeln. Die Polizisten stürzten sich auf den Verbrecher, der bald überwältigt war. Nun galt es aber, die unglückliche Frau zu retten. Die Ketten gaben nicht nach und dabei stieg das Wasser immer höher. Es waren bange Minuten, bis es endlich gelang, die Gemarterte aus der eisernen Umarmung zu befreien.
Der Vorfall und die Verhaftung Woods hatten natürlich kollossales Aufsehen erregt. Die wahre Sensation aber brachte erst die Untersuchung. Das Opfer Woods war die Gattin eines hohen Regierungsbeamten aus dem Bekanntenkreis des Nordamerikaners. Jetzt erinnerte man sich, daß auch die drei Selbstmörderinnen seine Bekannten waren. Das Geheimnis um ihren Tod schien sich zu lösen. Man sagte dem Verbrecher direkt ins Geischt, daß er die drei Frauen ermordet habe und – er gab es auch zu.
Wood hatte, wie er gestand, seine Opfer in sein Schloß gelockt, sie betäubt und am Boden seines Bassins angekettet. Im Morgengrauen, wenn er nicht zu fürchten brauchte, daß sein Tun beobachtet würde, bereitete er dann den Frauen, die mittlerweile das Bewußtsein wiedererlangt hatten, einen qualvollen Ertrinkungstod.
Die Leichen wurde durch einen weiten Kanal, der das Wasser des Bassins in den nahen Fluß entleerte, unbemerkt in den Platastrom befördert.
Was aber war nun das Motiv zu diesen grauenhaften Mordtaten? James Wood hatte seinerzeit eine Argentinierin aus Buenos Aires geheiratet. Eines schönen Tages war ihm seine Gattin mit einem anderen Mann durchgebrannt, ohne daß er wußte wohin. Wood verließ New York und zog nach Buenos Aires in der Hoffnung seine geliebte Frau in ihrer Heimatstadt wiederzufinden. Er fand sie aber nicht.
Monate vergingen. Er hörte nichts von ihr und seine Verzweiflung verwandelte sich allmählich in wahnsinnige Wut. In diesem Zustand faßte er den Entschluß, die Untreue seines Weibes an ihren Landsmänninnen zu rächen.
Nach diesem Geständnis hatte man Wood zur Untersuchung seines Geisteszustandes in ein Irrenhaus gesteckt. Wann der Blaubart starb, ist nicht bekannt. Gegen die Diener Woods, er besaß drei, die ihm aber mit Leib und Seele ergeben waren, wurde die Anklage wegen Beihilfe zum Mord erhoben.

Dieser Kriminalfall ähnelt stark einem Verbrechen, welches 1929 die Titelblätter österreichischer Zeitungen füllte. Ein sadistischer Ehemann wollte seine Frau in einem öffentlichen Brunnen angekettet ertrinken lassen. Ob Wood von diesem Ehemann zu seinen Bassinmorden inspiriert wurde, mag fraglich bleiben, wäre aber denkbar, zumal eine ungeheure zeitliche Nähe und Ähnlichkeit der Tötungsart besteht.

Aus: Robert Heymann: Das Verbrechen. Eine Sittengeschichte menschlicher Entartung. Band 1. Sexualverbrecher. Leipzig 1930, S. 61-63.

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