In Vorbereitung: HISTORISCHE SERIENMÖRDER IV

Nachdem ein paar Jahre seit Erscheinen des 3. Bandes der Reihe HISTORISCHE SERIENMÖRDER vergangen sind, legt der Verlag Kirchschlager nunmehr einen vierten Band vor. Michael Horn und Michael Kirchschlager stellen in einem kurzen Beitrag zwei Serienmörder des 16. Jahrhunderts aus der Sammlung des Johann Jakob Wick, der sogenannten Wickiana, vor.
Dabei handelt es sich um den relativ unbekannten Fall eines alten Frauenmörders aus Italien (1573) und einer weiteren Quelle zu dem deutschen Raubserienmörder Christman Gniperdoliga (1581). Michael Kirchschlager beleuchtet dann das Leben und die Taten des Raubmörders Jaspar Hanebuth (Deutschland, 1653) und des österreichischen Herzlfressers von Kindberg, Paul Reininger (1786). Die Biographie Hanebuths steht stellvertretend für die zahlreicher, wie sie der Dreißigjährige Krieg und mit diesem die Verrohung der Sitten hervorgebracht hat. Reininger ist ein trauriges Beispiel für einen Serienmörder, der in tiefem Aberglauben verwurzelt war.
Von Robert Heindl (1883-1958) und dem Kriminalisten Leopold Engelhardt (genaue Lebensdaten unbekannt) stammen zwei britische Kriminalfälle: John Williams – Der Teufel vom Ratcliff Highway (1811) und Jack the Ripper (1888), die in der europäischen Kriminalgeschichte bekannt sind, und nicht näher erörtert werden brauchen. Dafür dürfte für die kriminalhistorisch interessierte Leserschaft die Biographie Robert Heindls von Interesse sein. “Heindl widmete sein Leben und seine Arbeit der Kriminalistik. Er studierte Rechtswissenschaft in München, Lausanne und Erlangen. Ausgedehnte Studienreisen führten ihn in die Strafkolonien Frankreichs, Englands und Spaniens in Neukaledonien, auf den Andamanen und in Afrika. Die Arbeitsweise der großen europäischen Polizeizentralen erkundete er in Paris bei Bertillon und in London am Scotland Yard. Seine Berufslaufbahn führte ihn von dem Posten des Leiters der Kriminalpolizei Dresdens 1912 über den des Polizeidezernenten im sächsischen Innenministerium gegen Ende des 1. Weltkrieges als Oberregierungsrat in die sächsische Staatskanzlei und dann als Wirklichen Legationsrat in das Auswärtige Amt. 1933 in den Ruhestand versetzt, wurde er nach dem 2. Weltkrieg mit der Einrichtung des Zentralamtes für Kriminalidentifizierung, Polizeistatistik und Polizeinachrichtenwesen für das Land Bayern (jetzt: Bayerisches Landeskriminalamt) beauftragt. 1946 wurde er zum Präsidenten dieses Amtes ernannt. 1949 trat er wieder in den Ruhestand. Heindl erregte bereits als Student Aufsehen durch seinen Vorschlag, nach dem Vorbild des im Orient gebräuchlichen Fingersiegels ein daktyloskopisches System zur Identifizierung von Verbrechern einzurichten. Sein Vorschlag, die Daktyloskopie in den Dienst der Verbrechererkennung zu stellen, ist seinerzeit von der Dresdner Polizeiverwaltung alsbald aufgegriffen, im übrigen freilich zunächst zurückgewiesen worden; doch hat er als Anregung zur Einführung des Fingerabdrucksverfahrens fortgewirkt. Sein Bericht über die Strafkolonien hat wesentlich dazu beigetragen, daß die Strafe der Deportation in Deutschland nicht eingeführt und im Ausland allmählich abgeschafft wurde. An der Zentralisierung der Kriminalpolizei in den Ländern und im Bundesstaat sowie an der Errichtung einer internationalen kriminalpolizeilichen Organisation hat er wesentlichen Anteil. Seit 1917 gab er als Nachfolger von Hans Groß das von diesem begründete Archiv für Kriminologie heraus.

Cover HS IV

Gerd Frank, der mittlerweile sechs Totmacher-Bände im Verlag Kirchschlager veröffentlicht hat, widmet sich dem Hirtenmörder Joseph Vacher, einem französischen Ripper (1869-1897). Die Opfer waren meist junge Landarbeiter beiderlei Geschlechts. Er gestand die Ermordung und Verstümmelung von sieben Frauen und vier jungen Männern und verging sich post- und prämortem an ihnen. Vacher, dessen wirrer Geisteszustand durch den bekannten Psychiatrie-Professor Alexandre Lacassagne untersucht wurde, gab an, durch den Biß eines tollwütigen Hundes in “Raserei” begangen zu haben, doch Lacassagne kam zu dem umstrittenen Schluß, daß Vacher verhandlungs- und zurechnungsfähig war, worauf man ihn zum Tode verurteilte. Vacher wurde am 31. Dezember 1898 in Bourg-en-Bresse durch die Guillotine hingerichtet.
Armin Rütters, dessen Spezialgebiet u. a. die Erforschung des Kriminalfalles um den Kannibalen Karl Denke (1860-1924) ist2, beleuchtet das Leben des Berliner Frauenmörders Karl Großmann (1863-1922), der als Bestie vom Schlesischen Bahnhof in die Berliner Kriminalgeschichte einging. Großmann wurde am 21. August 1921 in seinem Haus neben seinem letzten Opfer Marie Nitsche auf frischer Tat gefaßt. Obwohl der Serienmörder nur drei Morde gestand, könnten ihm weit mehr Mädchen und junge Frauen zum Opfer gefallen sein. Ob Großmann, wie oft vermutet, Teile seiner Opfer verspeiste oder zu Wurst- und Dosenfleisch verarbeitete, muß dahingestellt bleiben. Der sadistische Lustmörder erhängte sich am 5. Juli 1922 vor dem Ende der Hauptverhandlung in seiner Zelle.

Das Autorenpaar Birgit Lautenbach und Johann Ebend, welches hauptsächlich durch seine Kriminalromane bekannt ist, steuerte einen Beitrag zu Rudolf Pleil (1924-1958) bei, der sich selbst als bester Totmacher aller Zeiten bezeichnete und in den Nachkriegsjahren 1946/47 vor allem im Harzer Grenzgebiet zahlreiche Menschen ermordete. Ausgewählte Quellen aus Pleils Kriminalakte gewähren zudem einen tiefen Eindruck in die Gedanken- und Seelenwelt des brutalen Mörders. Für die Beschaffung von Fotos zum Pleil-Fall aus dem Bildarchiv der JVA Celle danken wir an dieser Stelle Wolfgang Krüger, Celle.

Ein Lesetip für alle Kriminaliafreunde: Traugott Vitz – Langes Seil, schneller Tod. Wie Großbritannien seine Mörder hängte

Von allen Hinrichtungsarten ist wohl keine so britisch wie das Hängen. Die Briten exportierten sie überall dort hin, wo sie als Kolonial- oder Besatzungsmacht das Sagen hatten: Nach Nordamerika, Australien, Neuseeland, Indien, Singapur, Palästina… Bis 1868 hängten die Briten öffentlich. Bis 1964 hängten sie hinter Gefängnismauern. Sie machten eine Wissenschaft daraus – oder versuchten es wenigstens. Sie waren stolz darauf – und hielten alles, was damit zusammenhing, rigoros geheim. Inzwischen aber sind die meisten Akten zugänglich. Aus Material des Britischen Nationalarchivs, Zeitungsberichten des 19. Jahrhunderts und Biographien der Henker hat Traugott Vitz die Geschichte der letzten 96 Jahre britischer Hinrichtungspraxis geschrieben.

Der kanadische Henker John Radclive (ganz rechts) behauptete fälschlich, ein Schüler des englischen Henkers William Marwood zu sein.
Canadian hangman John Radclive (far right) falsely claimed to be a pupil of the English executioner William Marwood.

Britisches Hängen war angeblich schnell, human und schmerzlos, aber stimmte das? Nun: beinahe. Allerdings sicher nicht von Anfang an, als ein viktorianischer Universalgelehrter zum ersten Mal eine Formel entwarf, die die Fallhöhe zum Körpergewicht in ein Verhältnis setzte. Entlang von Zeitungsberichten und Archivmaterial des 19. Jahrhunderts folgt Traugott Vitz den Spuren von William Marwood (dem ersten englischen Henker, der den langen Fall verwandte), den Erfolgen und Fehlschlägen seines Nachfolgers James Berry, den sorgfältigen Nachforschungen des Todesstrafen-Komitees (1886-88), den Zeiten der Henkerdynastien Billington und Pierrepoint bis zu den letzten englischen Hinrichtungen im Jahr 1964. Zum ersten Mal wird der entscheidende Einfluß des Gefängnisarztes James Barr (später Präsident der British Medical Association) auf die Entwicklung der Abläufe und der Fallhöhentabelle aufgezeigt. Als deutscher Autor und weil er das Thema als erster auf deutsch behandelt, befaßt sich Vitz etwas ausführlicher mit den von Albert Pierrepoint vorgenommenen Hinrichtungen von Kriegsverbrechern in Hameln (Deutschland). Er erzählt in sehr lesbarer, lebhafter Weise, aber vor einem beeindruckenden Hintergrund an Quellen, der medizinische Lehrbücher und Zeitschriften einschließt.

Die “Kinnmulde” des britischen Chirurgen Dr. Marshall – eine exzentrische Erfindung, die in der Praxis nie benutzt wurde.

Softcover, Franz. Broschur, 272 Seiten, zahlreiche s/w Abbildungen, Preis: 14,95 Euro

Gerd Frank: Der Fall der Familie Bender (USA, 1872–1873)

Kurz nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg siedelten die USA den Indianerstamm der Osagen von Labette County in Kansas in die sogenannten „neuen Indianischen Territorien“ um. Hart arbeitende Männer und Frauen wollten sich in diesem Gebiet eine neue Heimat aufbauen. Um das Jahr 1870 ließen sich unter anderem fünf Familien, die den Spiritisten nahestanden, nördlich und östlich der Gemeinde Cherryvale nieder und bearbeiteten das Land. Unter ihnen war eine Familie namens Bender. Es ist nicht belegt, ob sie tatsächlich so hieß. Vermutungen zufolge handelte es sich um deutsche Einwanderer. Hierfür sprach, daß der alte Bender, der sich John nannte, nur sehr schlecht Englisch sprach. Er muß ein Mann von furchteinflößender Kraft gewesen sein, der mit ruppiger, kehliger Stimme sprach, die kaum zu verstehen war. Seine Frau Kate wurde ähnlich geschildert, zudem soll sie ungewöhnlich brutal gewesen sein, weshalb man sie allgemein nur als „Weibsteufel“ bezeichnete. Der 27jährige Sohn John Jr. war als mürrisch und abweisend bekannt, Tochter Katie soll ziemlich schön gewesen sein. Sie bildete sich ein, ein Medium zu sein, und behauptete auf Karten, die sie verschickte, Taube und Blinde heilen zu können. Weiterlesen

1. Leseprobe: Totmacher 7 – Sonderband – Serienmörderpaare von Gerd Frank

Aus dem Vorwort von Michael Kirchschlager:
Am 29. April 2016 gab die Polizei Bielefeld folgende Presseerklärung heraus: “Eine 41-jährige Frau aus Niedersachsen ist nach Misshandlungen, die sich in einer Wohung in Höxter ereignet haben, in einem Krankenhaus gestorben. Nach dem Ergebnis der durchgeführten Obduktion verstarb die Frau an den Folgen stumpfer Gewalt gegen den Kopf. Die 41-Jährige hatte sich auf eine Zeitungsannonce gemeldet, die ein 46-Jähriger eingestellt hatte und in der er eine Frau für eine feste Beziehung suchte. Nach einer kurzen Phase des Kennenlernens zog die 41-Jährige im März 2016 nach Höxter, wo der Beschuldigte zusammen mit seiner Ex-Frau (47 Jahre alt) lebt. Hier wurde die Frau festgehalten und körperlich misshandelt, wobei es bis jetzt keine Hinweise für ein Sexualdelikt gibt. Weiterlesen

Gerd Frank: DIE KILLER VON VIÑA DEL MAR – Der Fall Jorge Sagredo Pizarro / Carlos Topp Collins (Chile, 1980-1981)

Die beiden Serienmörder Jorge Sagredo Pizarro und Carlos Topp Collins gelten als die “Psychopathen von Viña del Mar”. In den Jahren 1980 bis 1981 ermordeten sie zehn Menschen, weswegen sie zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. Der Fall dürfte zu den denkwürdigsten der chilenischen Kriminalgeschichte zählen. Leseprobe aus Totmacher 6
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Gerd Frank: DIE BESTIE VOM MANGROVENWALD – Der Fall Daniel Camargo Barbosa (Ecuador, 1984-1986)

Zwischen 1984 und Februar 1986 erschütterte eine Mordwelle das Land Ecuador. Immer wieder wurden nackte und mit einer Machete zerstückelte Mädchenleichen in einsamen, entlegenen Mangrovenwäldern aufgefunden, die meisten von ihnen waren erst acht oder neun Jahre alt gewesen. Leseprobe aus Totmacher 6
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Gerd Frank: DER APOSTEL DES TODES – Der Fall Pedro Pablo Nakada Ludeña (Peru, 2005-2006)

Pedro Pablo Nakada Ludeña wurde am 28. Februar 1973 als drittes von neun Kindern des José und der Maria in El Agustino, in der peruanischen Hauptstadt Lima, geboren. Jahrzehnte später zog er nach Huaral, wo er die Bürger alsbald in Panik versetzen sollte: Er beging nach eigener Aussage 25 Morde, weil er “die Welt vom Abschaum befreien mußte”. Leseprobe aus Totmacher 6
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Gerd Frank: DAS MONSTER DER ANDEN – Der Fall Pedro Alonso López (1978 (?) – 1980)

Pedro Alonso López wurde 1949 in der tiefsten Provinz Santa Isabel in Kolumbien, geboren. Seine Mutter war eine Prostituierte und setzte ihn mit acht Jahren (!) kurzerhand aus, weil er seine jüngere Schwester unsittlich berührt hatte. Leseprobe aus Totmacher 6
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Gerd Frank: DER EINSAME VON SANTA BÁRBARA – Der Fall Beltrán Cortés Carvajal (1934-1938)

Der vierfache Mörder Beltrán Dalay Cortés Carvajal war Costaricaner und wurde am 21. November 1908 als Sohn des Rosendo Cortés Madrigal und der Amelia Carvajal in Santa Bárbara (Heredia) geboren. Leseprobe aus Totmacher 6
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Gerd Frank: TAVO, DER BANDENCHEF – Der Fall Gustavo Adolfo Parada Morales (El Salvador, 1996-1999, 2007)

Gustavo Adolfo Parada Morales, bekannt geworden als ‘El Directo’ (Der Direkte) und von Freunden immer nur “Tavo” (Kurzform von Gustavo) gerufen, wurde 1982 in San Miguel, etwa 130 Kilometer östlich von San Salvador (El Salvador) geboren und wurde zum bislang einzigen Serienmörder seines Landes. Weiterlesen