Ein Filmtipp auf ZDF history, u. a. mit Hans Thiers (siehe auch
unseren Buchtipp): Die „Wendemorde“ – Wie DDR-Schwerverbrecher
freikamen
Ob Begnadigung oder Neubewertung der Straftaten: In den
Wirren der Wendezeit kamen viele gewalttätige Schwerverbrecher aus
DDR-Gefängnissen frei. Einige wurden schnell rückfällig.
Vor der
Wiedervereinigung mussten Justiz und Strafvollzug der beiden deutschen
Staaten aneinander angepasst werden. Verantwortliche entschieden, wer in
der DDR zu Unrecht verurteilt worden war, wer freikommen sollte. Es gab Entscheidungen mit schrecklichen Folgen.
In den gerade mal elf Monaten zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung
standen die Zeichen auf Freiheit. Tausende politische Gefangene kamen
aus den DDR-Gefängnissen frei. Allerdings galten die Straferlasse aber
teilweise auch für gefährliche Gewalttäter. Für sie öffneten sich die
Tore der Haftanstalten – entweder, weil man sie begnadigte, oder, weil
ihre Schuld nach den Gesetzen der Bundesrepublik abgegolten war.
Einer von ihnen ist Klaus-Dieter S., ein Mann, der schon zu DDR-Zeiten
eine Frau missbraucht und ermordet hatte. Er habe keinerlei Zeit gehabt,
so S., sich auf die Entlassung ins wiedervereinigte Deutschland
vorzubereiten – an einem Freitagnachmittag wurde ihm mitgeteilt, dass er
am folgenden Montag entlassen würde. S. überfiel in den 90er-Jahren in
Westdeutschland mehrere Frauen und ermordete eine weitere. Bis heute
sitzt er im Maßregelvollzug in einer forensischen Psychiatrie.
Ein anderer Fall ist Herbert M., der bereits in der DDR in den
50er-Jahren ein fünfjähriges Mädchen tötete, später eine junge Frau. In
der Wendezeit wurde er begnadigt, kam Ende September 1990 frei und
tötete nur ein gutes Jahr später wieder: In der Silvesternacht 1991/92
sollte er auf zwei kleine Mädchen aufpassen, die vier und fünf Jahre
alten Töchter einer Bekannten, und ermordete diese am Ende bestialisch.
Wieso konnten gewalttätige Verbrecher entlassen werden? Antworten sucht der Film mithilfe eines forensischen Psychiaters, aber auch bei den damals verantwortlichen Politikern.