Schelle Mathews: Die Menschenjagd in den Wäldern von Wynoochee (1912) – Teil 3

W 5
J. Cole, ein Mitglied der Verfolgungstruppe, der sich durch besonderen Mut
und zielbewußte Zähigkeit auszeichnete

Die letzte Kugel meines Schwagers hatte ihr Werk getan. Auf dem Rückweg erzählte mir Quimby, was sich während meiner Abwesenheit zugetragen hatte:
“Beim Aufstehen am 16. hörte ich zufällig, wie Blair zu Lathorp sagte: ‘Heute werden wir nicht die neuen Sachen anziehen. Es wäre schade, wenn sie Tornow in die Hände fielen’. ‘Recht hast du, und der Sheriff wäre wütend’, antwortete Lathrop. ‘Was habt ihr beide miteinander zu tuscheln?’ mischte ich mich ein. ‘Heute rücken wir Tornow auf den Pelz’, antworteten beide. Ich tat mein Möglichstes, um sie von dem Vorhaben abzubringen. Alles erwies sich jedoch als vergeblich. Um sie nicht allein losziehen zu lassen, schloß ich mich ihnen an. Nicht weit vom See stießen wir im Wald auf einen frisch geschossenen Elch. Die Hunde fielen über das Fleisch her. Da sie nicht wieder wegzubringen waren, unterbreitete ich den Vorschlag, zu warten, bis sie sich vollgefressen hatten. ‘Der Teufel soll die Hunde holen!’ lautete die Erwiderung. ‘Mach lieber, daß wir Tornow endlich beim Kragen nehmen.’
Nun, wir kamen schließlich an die Stelle, wo der Baumstamm zur Insel hinüberführt und passierten ihn, ohne daß irgend etwas Besonderes vorfiel. Drüben angelangt machte ich meinen Begleitern erneute Vorhaltungen über ihre Tollkühnheit. Ich wollte zunächst einmal rekognoszieren, und vor allem die Hütte von der Vorderseite her, die wir nicht sehen konnten, in Augenschein nehmen. Auch dieser Vorschlag stieß auf Widerspruch. Von der Stelle, wo wir lagen, konnten wir die Rückwand der Hütte sehen, und da sie weder Fenster noch Schießscharten aufwies, glaubten Blair und Lathorp, sich ohne weiteres anschleichen zu können. Weiterlesen

Schelle Mathews: Die Menschenjagd in den Wäldern von Wynoochee (1912) – Teil 2

W 2

Eine der Gebirgshütten, in der der “wilde Mann” mehrere Wochen lebte
Zu der Zeit, wo seine Neffen ermordet wurden, war John Tornow zweiunddreißig Jahre alt. Zwei ganze Jahre hatte er in den Wäldern zwischen dem Satsop und dem Wynoochee gehaust. Gelegentlich kreuzte ein Jäger, ein Fallensteller oder ein Holzhauer seinen Pfad. Mit allen stand er auf freundschaftlichem Fuß. In der letzte Zeit jedoch war er nicht mehr gesehen worden. Weiterlesen

Schelle Mathews: Die Menschenjagd in den Wäldern von Wynoochee (1912) – Teil 1

Von Zeit zu Zeit setzt sich der Dämon in einem Menschenhirn fest und treibt dort sein Wesen, das dem normalen Denken fremd bleibt. Tier oder Mensch? „Wildwest“?

W 3
Gemeinsam hatten John und William Bauer das Licht der Welt erblickt. Gemeinsam waren sie zu prächtigen jungen Menschen herangewachsen. Beide waren sie vortrefflich geeignet, den alten urwüchsigen Menschenschlag des Grenzers zu verkörpern. Mit ihren Eltern hausten sie zusammen weit draußen in den Waldwüsten des Staates Washington, im fruchtbaren Tal des Satsop Rivers, in einem weitläufigen bequemen Haus, das der Familie schon seit langem zum Heim diente.
Von Kindesbeinen an waren die beiden mit dem Gebrauch von Schußwaffen vertraut gemacht worden und da die Wälder nicht nur von jagdbarem Wild aller Art, sondern auch von Raubtieren wimmelten, wurden sie beide große Jäger vor dem Herrn.
Teils um des Zeitvertreibes willen, teils um die elterliche Speisekammer mit der Jagdbeute zu füllen oder um die Herden vor den Angriffen größerer Räuber des Waldes zu schützen, zogen sie häufig auf die Pirsch.
Im Sommer 1911 wurden die Bären zu einer wahren Landplage. Bald hier, bald dort hatte man auf den verstreut liegenden Höfen den Verlust wertvollen Viehs zu beklagen. Als deshalb im September eines Tages der Vater auf seinem Inspektionsgang feststellte, daß eine seiner schönsten Kühe abhanden gekommen sei, zweifelte niemand daran, daß Meister Petz am Werke gewesen war. Die beiden Söhne schulterten ihre Gewehre, schnallten den Patronengürtel um, und begannen in den umliegenden Wäldern nach dem Übeltäter Ausschau zu halten. Weiterlesen

Gerd Frank: MORDE OHNE MOTIV – Der Fall Motta Navas (1996-2012)

Der 1966 geborene Motta Navas ist ein Sonderfall in der Kriminalgeschichte Indiens, denn im Grunde gab es für den Täter kein nachvollziehbares Motiv, seine Morde zu begehen. Er schien seine Opfer lediglich als Objekte betrachtet zu haben, an denen er seine mörderische Wut auslassen konnte. Wieso sich diese derart aufgestaut hatte, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Weiterlesen

Gerd Frank: DIE VIDEOMÖRDER VON DNJEPROPETROWSK – Der Fall Ihor Suprunyock, Viktor Sayenko und Oleksandr Ganzha (2007)

Im Jahr 2007 kam es in der ukrainischen Millionenstadt Dnjepropetrowsk zu einer beispiellosen Mordserie, die von zwei jungen Männern begangen wurde, die aus sogenannten “guten Häusern” stammten. Der Fall, der in die russische Kriminalgeschichte unter dem Schlagwort “Die Wahnsinnigen von Dnjepropetrowsk” (Dnjepropetrowsk Maniacs) eingegangen ist, erlangte vor allem deshalb traurige Berühmtheit, weil die Mörder ihre ungewöhnlich brutalen Taten mit der Kamera ihrer Mobiltelefone gefilmt hatten, welche sie sich zu Hause genüßlich immer wieder anschauen wollten.
Die beiden 19jährigen jungen Männer Viktor Sayenko und Ihor Suprunyock ermordeten in knapp zwei Monaten, nämlich zwischen Juni und Juli 2007, 21 Menschen; der gleichfalls 19jährige Oleksandr Ganscha soll ihr Komplize bei zwei bewaffneten Raubüberfällen gewesen sein. (…) Weiterlesen

Gerd Frank: DIE MORDFAMILIE VON ROSTOW – Der Fall Inessa Tarwerdijewa und Roman Podkopajew (2008-2012)

Im südrussischen Rostow am Don und in der Umgebung dieser Stadt hat ein Ehepaar jahrelang Morde aus Habgier begangen. Etwa 30 Menschen sollen ihnen zum Opfer gefallen sein, höchstwahrscheinlich waren die beiden Töchter sogar Komplizinnen des Paares gewesen. (…) Weiterlesen

Der “Mittagsmörder” Klaus Gosmann kommt frei

In bayerischen Städten und Dörfern herrscht seit alters der Brauch des 12-Uhr-Läutens. Zwischen 1962 und 1965 wurde dieses Läuten der Kirchenglocken im fränkischen Raum zweckentfremdet: Sie verkündeten vier Menschen den Tod, was dem Schützen den Beinamen “Mittagsmörder” eintrug. Zu Unrecht übrigens, denn nie hat bei seinen Taten die mittägliche Uhrzeit eine Rolle gespielt, wie er selbst versicherte: “Ich bin kein Frühaufsteher, und meine Vorbereitungen haben immer so lange gedauert, daß es kurz vor zwölf Uhr war, wenn ich in Aktion trat …” Weiterlesen

Gerd Frank: DER WAHNSINNIGE AUS POLOGOWSKI – Der Fall Sergiy Tkatsch (1984-2005)

Einer der schlimmsten Serienmörder wurde 2005 in der Ukraine von der örtlichen Miliz gefaßt. Es handelte sich um den ehemaligen forensischen Experten und Milizionär Sergiy Tkatsch, der die Tötung von 40 Menschen gestanden, vermutlich aber sogar mehr als einhundert Morde begangen hat. Weiterlesen

Gerd Frank: DER EXPERIMENTATOR VOM KINDERCLUB – Der Fall Anatoli Jemeljanowitsch Sliwko (1964-1985)

Anatoli Sliwko, 1938 geboren, war verheiratet, hatte zwei Kinder und galt als hervorragender Freizeitfilmer. Zudem leitete er einen örtlichen Kinderclub. Sliwko war knapp 23 Jahre alt, als er Zeuge eines schweren Verkehrsunfalles wurde. Dabei kam ein Pionier in weißem Hemd und mit rotem Komsomolzen-Halstuch ums Leben, der unter einen Bus geriet und bei lebendigem Leibe verbrannte. Der entsetzliche Anblick muß bei Sliwko eine sonderbare Erregung hervorgerufen haben. Das Bild von dem verblutenden Knaben im weißen Hemd setzte sich für immer in ihm fest. Die Erinnerung an den Vorfall reichte jahrelang aus, um ihm Befriedigung zu verschaffen. Er versuchte in der Folgezeit, immer wieder Situationen herbeizuführen, in denen sich diese Gefühle wiederholen sollten. Weiterlesen